Dienstag, 8. Mai 2018

Warum es manchmal Glück ist Pech zu haben

Was für ein Glück, dass ich letztens in der Steiermark soviel Pech gefunden habe! So wird im Alpenraum das Harz der Nadelbäume genannt aus dem bereits unsere Ahnen kostbare Heilsalben hergestellt haben.




Unsere UrUrUrUr....Omas haben die Natur genau beobachtet und wussten um die guten Eigenschaften des Harzes, dass auch "Gold des Waldes" genannt wird, genau Bescheid.
Sie haben beobachtet, dass Bäume bei Verletzungen der Rinde Harz absondern um ihre Wunde zu heilen und wie mit einem Pflaster zu verschließen, um sich so vor unerwünschten Eindringlingen in Form von Insekten, Pilzen und Feuchtigkeit zu schützen.
"Das probieren wir auch für unsere verletzte Haut aus!" haben sie sich dann wohl gedacht und so oder so ähnlich entstand dann die "Pechsalbe"



Und unserer UrUrUrUr....Omas hatten sowas von recht!

Denn Pech gilt als...
  • antibiotisch
  • antibakteriell
  • entzündungshemmend
  • desinfizierend
  • durchblutungsfördernd
  • wundheilend
  • erweichend
  • wärmend
  • schleimlösend
  • schmerzlindernd
seine Bestandteile sind vor allem: Bitterstoffe, Harzsäure und natürlich ätherische Öle die das Harz so gut riechen lassen.

Wo haben die Omamas die Salbe überall "draufg´schmiert"?
  • auf Wunden zum Abheilen
  • als Zugsalbe bei Splittern, einegewachsenen Haaren, Furunkel, Abszessen
  • bei Verkühlung auf die Brust und unter die Nase
  • bei Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen auf die betroffenen Areale

Und wie kommt das Pech jetzt ins Töpfchen?


Wie ihr auf dem ersten Bild sehen könnt, war das Pech das ich auf einem frisch gefällten Baum gefunden habe zuerst mal ein großer harziger Klumpen aus Holz und Nadeln. Normalerweise kann man das Harz auch "schöner" gewinnen in dem man es vorsichtig von jenen Stellen der Nadelbäume (wie Fichte, Tanne, Lärche, Kiefer) nimmt wo es dick herausquillt. Ernte bitte immer respektvoll und mit Maß! Nimm dafür einen stumpfen Gegenstand oder deine Finger und trag das Harz nur ganz vorsichtig an der obersten Stelle ab. Je älter und dicker das Harz ist umso besser, denn dann ist die Gefahr dass du den Baum verletzt minimal.
In jedem Fall ist es aber ziemlich sicher auch nicht ganz rein, da bestimmt auch hier drinnen ein paar tote Tierchen, Nadeln und Holzstücke beim Auskochen zum Vorschein kommen.
Wer nicht selber ernten möchte oder dazu keine Möglichkeit hat, kann Fichtenharz auch bei der Naturschönheit in Kärnten bestellen.



Das Harz der Nadelbäume ist lipophil, das heisst es kann in Öl oder Fett gelöst werden. (Das ist auch der Trick um klebrige Harzfinger wieder sauber zu bekommen!) So konnte ich als meinen Harzklumpen in Öl aussuddeln und anschließend abfiltern um das kostbare Waldgold zu gewinnen, aber der Reihe nach:


Innere Werte:
nach der Recherche diverser Pechsalben Rezepte kann man sagen: auf einen Teil Harz kommt in etwa die 3-4 fache Menge Öl, ganz traditionell lag der Anteil Pech wohl sogar bei 50-70%. Wer wie ich mit so einem Klumpen arbeitet muss auf jeden Fall soviel Öl nehmen, dass alles schön bedeckt ist und bedenken, dass sich ohne der Verschmutzung das Gewicht verringert.

Konkret
  • 150g Sonnenblumen Öl (nehm ich am liebsten da es neutral ist und den guten Harz- und Blütenduft nicht übertüncht, abgesehen davon ist die Sonnenblume eine tolle Pflanze für Haut und Seele!)
  • 50g Harz 
  • 20g Bienenwachs (Veganer nehmen 1,5-2fache Menge Beerenwachs)
  • wer mag: zusätzlich insgesamt 2-3 EL getrocknete Pflanzen wie z.B. Ringelblume, Schafgarbe, Kamille, Lindenblüten, Gänseblümchen die die Creme noch wirkungsvoller machen.

So wird´s gemacht:
1. Gib dein Harz zusammen mit dem Öl (und eventuell deiner Pflanzen) in ein Gurkenglas (kann man nachher mit den Rückständen wegwerfen und man spart sich das putzen)
2. erwärme das ganze sanft und langsam und mit immer wieder rühren in einem Topf im Wasserbad bis du sehen kannst, dass sich das Harz auflöst. Wenn du zusätzlich Pflanzen in diesem Arbeitsschritt ausziehst ist langsam arbeiten natürlich von Vorteil um das ganze Gemisch einige Zeit lang vor sich hinsimmern bzw. ziehen zu lassen. Das kann von mindestens 1h bis mehrere Stunden dauern. Idealerweise kann man es dann auch 1-3 Tage ziehen lassen, und dann erst wie folgt weitermachen. 


3. das ganze durch ein altes (es könnten Rückstände drinnen bleiben) feinmaschiges Sieb abseihen. Zusätzlich lege ich noch einen Teefilter in das Sieb, das fängt auch kleinere Partikel gut ab
4. das gefilterte Öl-Harz Gemisch nochmals in einem feuerfesten Gefäß im Wasserbad erwärmen und darin unter Rühren Bienenwachs schmelzen
5. in saubere Tiegelchen abfüllen und beschriften 


 

Wie immer gilt: sauber arbeiten und natürlich auch im Zweifel die Verträglichkeit vorher testen (v.a. aufgrund der ätherischen Öle)
Die Haltbarkeit ist dank der Inhaltsstoffe Wachs und Harz sehr hoch und liegt bei kühler und trockener Lagerung und sauberer Entnahme mit Spatel bei etwa einem Jahr.


Noch ein Tipp: älteres und somit härteres Harz ist auch ideal zum Räuchern! Christian Rätsch schreibt in seinem Buch "Räucherstoffe- Der Atem des Drachen", dass das Fichtenharz früher auch "Waldweihrauch" genannt wurde und schon Plinius berichtet von "Betrug mit diesen Tropfen" die statt dem teurerem Weihrauch verkauft wurden.
Die Wirkung der verräucherten Nadelbaum Harze kann auch hier gut abgeleitet werden: reinigend, klärend, schützend
Marlies Bader schreibt in ihrem Buch "Räuchern mit heimischen Kräutern" auch so schön: "bringt alte Wunden ans Licht...erweitert den Brustraum und das Herz"

...und jetzt weißt du, warum es manchmal Glück ist Pech zu haben ;)




Sämtliche Texte basieren auf den Überlieferungen der Volksheilkunde und ersetzen keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und dürfen daher nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden bitte immer einen Arzt!

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